Brief an einen Waldkindergartenträger

 

Handewitt, 19. Januar 2000

Betr.: Stellungnahme zu „Zwei ErzieherInnen  für eine Waldgruppe“.

Sehr geehrter Herr                           ,

der Bundesarbeitskreis besteht seit November 1996 und trifft sich regelmäßig, um sich auszutauschen und Treffen der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland zu organisieren und Fortbildungen anzubieten. Die Mitarbeiter bestehen aus Erziehern, Sozialpädagogen, Biologen aus der gesamten Bundesrepublik und Mitarbeitern des Naturschutzzentrums in Wetzlar/Hessen.

Die Praxis von nun schon 7 Jahren Natur- und Waldkindergarten hat gezeigt, dass der Betreuungsschlüssel von 2 ErzieherInnen in einer Waldgruppe erforderlich ist.

Folgende Gründe sprechen dafür:

  • die Erzieher sind im Wald auf sich selbst gestellt

  • bei Gefahren können sie keine 3. Person auf schnellstem Weg herbeirufen

  • jeder muss in der Lage sein, den anderen zu vertreten (ist mit Vertretungskräften oder einer sozialpädagogischen Assistentin als Zweitkraft nicht möglich)

  • die Anforderungen sind für Erzieher im Wa u.Nakiga  umfangreicher

  • ständige Erläuterungen des pädagogischen Konzeptes

  • stärkere Reflexion ihrer Beobachtungen und Handlungsmaximen

  • stärkere Flexibilität im Organisieren wie im Handlungsbedarftägliche erhöhte Konzentration bei der Aufsichtspflicht bedingt durch das Gelände

Bei den regelmäßigen Treffen der Wald u. Nakiga (in Schleswig-Holstein über 40) hat sich herausgestellt, dass immer mehr Kinder mit besonderem Handlungsbedarf  in die WaNakiga kommen.

Die Kinder sind:

  • verstärkt Verhaltensauffällig

  • reagieren bei kleinsten Belastungen aggressiv

  • schwer in die Gemeinschaft zu integrieren

  • in der Wahrnehmung reduziert

  • in der Bewegungsgeschicklichkeit unterentwickelt

  • sprachgestört

Ich  könnte diese Liste noch weiter fortsetzen, aber ich finde, es ist schon allerhand, was Erzieher unter äußerlich schwierigen Bedingungen in der freien Natur und auf sich selbst gestellt, leisten.

Zum Wohle der Kinder, die leider heutzutage keine gute Lobby haben, sollte man nicht auch noch hier den Rotstift ansetzen. Zu bedenken ist auch, dass diese Ausgabe sich auf jeden Fall in der Zukunft der Kinder rentiert.

Bitte berücksichtigen sie bei ihrem Entscheid, dass für intensive Betreuung der Kinder keine großen Kosten für Gebäude, Sanierungen, Instandsetzungen, Möbel, Reinigungskräfte usw. für den WaKiGa anfallen.

Bitte sparen sie nicht an der Zukunft der Kinder.

Mit freundlichen Grüßen, Maria-Luise Sander

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