| Kann ich das denn
auch?
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(ein Auszug aus einer
Informationsschrift von Maria-Luise Sander, Leiterin des Waldkindergartens
Tarp e.V.) Du hast dir die
Broschüre kommen lassen, weil du einen Natur- oder Waldkindergarten eröffnen
möchtest. Bist du dir sicher, dass du im
Winter bei Minus 10° und mehr im Freien arbeiten möchtest? Im Regen dein
Frühstück einnehmen? Ein Bilderbuch in der Hocke sitzend den Kindern
vorstellen? Dich mit Zecken und Mücken im Sommer herumplagen möchtest? Dann lies´ ruhig weiter, denn
es gibt auch fröhliche Kinder, denen es nichts ausmacht, im Regen zu
toben, die immer etwas zu spielen finden, die überall klettern, die
(fast) immer dreckig und glücklich sind. Wir sind in unserem
Kindergarten alle glücklich und ich habe es nicht bereut, aus dem
Regelkindergarten in den Waldkindergarten überzuwechseln. Wenn es dir möglich ist, lauf´
eine Woche im Winter oder bei Regenwetter in einem dir bekannten Wald-
oder Naturkindergarten mit. Damit du eine Vorstellung bekommst, welchen
Belastungen du ausgesetzt sein wirst. Überdenke gründlich deine persönliche
Einstellung zur Natur! Du hast dich nun gründlich
befragt und bist dir sicher, dass du nun selbst einen Wald- oder
Naturkindergarten gründen möchtest. Als erstes musst du dich
umsehen, wo ein geeigneter Wald, ein Flurstück oder Strandabschnitt zur
Verfügung steht und eine Möglichkeit als Schutzhütte zu nutzen ist
(Freizeit- oder Sportheime ansässiger Organisationen, Waldhütten,
Bauwagen etc.). Dann ist die Frage zu klären, wer Eigentümer oder Pächter
dieser Örtlichkeiten ist, und wenn möglich, ein Gespräch mit ihnen zu führen
und die Einwilligung zur Nutzung einzuholen. Gleichzeitig ist zu klären,
wie groß das Interesse an einem entsprechenden Kindergarten ist. Und das
wird wohl das härteste Stück Arbeit sein. Nun muss die Presse
eingeschaltet werden. Eine Information im redaktionellen Teil der ortsansässigen
Zeitung (evtl. auch in den wöchentlich erscheinenden Anzeigeblättchen)
wird immer gerne angenommen, zumal ja Waldkindergärten zur Zeit ganz groß
„in Mode“ sind und sich die Reporter damit ordentlich profilieren können
(hoffentlich liest das niemand).
Gleichzeitig lädst du zu einem Info-Abend im Gemeindehaus oder einem
anderen (wenn möglich öffentlichen) Ort ein. Die Schulen machen auch
immer gerne bei solchen Veranstaltungen mit. Wenn sich schon ein “harter
Kern” von Eltern gebildet hat, ist es auch immer wieder von Vorteil, aus
einem schon bestehenden Wald- oder Naturkindergarten den/die Leiter/in zu
einem Vortrag über ihren Kindergarten einzuladen. (Hier bietet sich seit
Neuestem auch der Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten an). Dazu
sollte wohl jeder bei Übernahme der normalen Kosten einverstanden sein. Zur Planung eines
Informationsabends braucht man:
(Ich selbst habe schon mehrere
Vorträge und Einführungsabende vor privaten Kreisen und in Schulen
gehalten. Wenn ich Dir dabei helfen kann, lasse es mich wissen.) An einem solchen Abend würde
ich mit Dias arbeiten, die machen immer noch den besten Eindruck. Die
Kinder und die Natur werden in leuchtenden Farben dargestellt, und das
beeindruckt doch immer. Auch würde ich einen Materialtisch mit Literatur
(gibt es mitlerweile schon in ordentlicher Qualität und Quantität) und
Bastelarbeiten aus schon bestehenden Waldkindergärten aufstellen. Und
vergiss vor allen Dingen nicht den Knud! (Du weist schon, den kleinen grünen
Waldwichtel, der dich und deine Waldkinder in den nächsten Jahren auf
Schritt und Tritt begleiten könnte). Für unsere Einrichtung ist
Knud eine wichtige Figur geworden, welche die Kinder regelmäßig besucht. Die Eltern der Kinder zeigen
viel Eigeninitiative und Engagement und von ihnen kommen erfahrungsgemäß
sehr viele Fragen:
Es
wäre gut, wenn Du Dich mit diesen Fragen schon im Vorfeld
auseinandersetzen würdest. Oft wird auch gefragt, ob die
Verletzungsgefahr nicht höher ist als im Regelkindergarten. Bis jetzt
liegt noch kein verwertbares statistisches Material vor, aber ich kann aus
über zwei Jahren Praxis sagen, dass nur eine kleine Platzwunde vom
Hausarzt versorgt werden musste. Durch die ständige Bewegung im Wald auf
den verschiedensten Untergründen lernen die Kinder unter anderem auch das
Fallen, Aufrichten, Klettern und die Selbsteinschätzung des eigenen Könnens
in verschiedenen Situationen ihrer Spielergebnisse und
Bewegungserfahrungen. Somit sind die Waldkinder besser vor Verletzungen
geschützt. Es gibt sogar eine Untersuchung (Anhang), nach der Kinder, die
sich verstärkt in der Natur aufhalten, weniger anfällig für Unfälle
sind, weil sie sich bewusster bewegen. Lege eine Liste aus, in die
sich jeder eintragen kann, der für sein Kind echtes Interesse für einen
Wald- oder Naturkindergarten hat. Denn mit dieser Liste hast du einen
nachweisbaren Bedarf. Und der ist wichtig bei Gesprächen bei den
Gemeinden/Trägerschaften/Behörden. Du musst dir überlegen, ob du
den Wald- Naturkindergarten unter eine Trägerschaft (z.B. Kirche, Stadt,
Gemeinde, private Träger) stellst oder ob du einen Verein gründest. Parallel dazu muss mit dem zuständigen
Jugendamt Kontakt aufgenommen werden. Ein Konzept muss erstellt werden. Gespräche zur Vorstellung des
Konzeptes müssen mit den potentiellen Trägern und Gemeinden geführt
werden. Anträge für Zuschüsse müssen beim Jugendamt und auf kommunaler
Ebene gestellt werden, ebenso die Betriebserlaubnis beim zuständigen
Jugendamt. Auch das Gesundheitsamt ist einzuschalten und deren Zustimmung
einzuholen. Zwischendurch ruhig immer
wieder die Presse einschalten und sie über den aktuellen Sachstand
informieren lassen. Dadurch wird das Interesse der Bevölkerung geweckt
und vor allem auch gehalten. Für die Vorstellung des
Projektes sind Fotos, Berichte, Dias und das Konzept wichtig; bei den Ämtern
auch die Darstellung von hand- und wetterfester Kinderkleidung! Wenn Du
kannst, erkundige Dich ruhig, wo es gute Buddelhosen und Regenjacken gibt
(Adressen im Anhang). Denn diese Frage kommt ganz bestimmt! Wichtig ist es vor allen
Dingen, zu überzeugen, dass ein Wald- oder Naturkindergarten für die
Entwicklung der Kinder sehr wichtig ist, und dass die Förderung und Kräftigung
des Immunsystems, der Koordination, des Gleichgewichts, der Muskulatur und
aller Sinne auf natürliche Weise geschult werden. Und damit stehst du vor
deiner schwierigsten Aufgabe. Denn du musst mit Unverständnis und
Unbehagen rechnen: “Bei Regen draußen spielen müssen, da sind die
Kleinen ja ständig erkältet und holen sich sogar noch eine Lungenentzündung...” Deshalb ist es wichtig, dass
man sich wirklich und genauestens über negative und positive Teile der
Arbeit in der Natur informiert hat. Natürlich gehört es auch dazu, sich
über Zecken und deren Infektionsgefahren sowie dem Fuchsbandwurm zu
informieren. Du musst bei einem Info-Abend mit ca. 2-3 Stunden Dauer
rechnen, vielleicht sogar mehr! Wenn das Konzept steht, ein
Wald-/Flur- oder Strandstück ausgesucht ist, Genehmigungen vorliegen,
eine wohlwollende Reaktion vom Forstamt kommt, das Jugendamt positiv
reagiert, der Bedarf abgeklärt wurde, die Finanzierung in der Vorplanung
erarbeitet ist, den der erhöhte Personalaufwand (mind. 2 Erzieher für
ca. 18 Kinder; steht im Gegensatz zu den geringen Investitionskosten) nach
sich zieht, dann können die
Schritte für die Gründung eines Vereines unternommen werden. Zur Gründung sind wichtig: 7 Gründungsmitglieder eine Satzung zur
Vereinsgründung (Merkblätter gibt es beim zuständigen Amtsgericht) Inhalt der Satzung:
Weitere Auskünfte erteilen Rechtsanwälte
(besonders gut, wenn ein Elternteil diesem Berufsstand angehört), Notare
und das Registergericht. Des Weiteren muss ein Gründungsprotokoll
geschrieben werden, welches dann von den Gründungsmitgliedern
unterschrieben wird. Gehst du eine Trägerschaft
oder Kooperation mit der Stadt oder dem Land ein, muss mit denen
entsprechend weitergearbeitet werden. Und nicht vergessen, immer
wieder die Presse informieren! Sie muss über den Entwicklungsstand
immer unterrichtet sein. Die Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten
geben möchten, sollten ebenfalls über alle Geschehnisse immer auf dem
Laufenden gehalten werden. Dafür hast du deren Adressen! Sollte der Termin feststehen,
an dem es nun endgültig losgehen sollte, ist schon einiges geschafft.
Brauchst du Hilfe oder Zuspruch, dann wende dich an bestehende Wald- oder
Naturkindergärten in Deiner Nähe oder rufe mich an (oder den BvNW). Ich wünsche dir auf deinem steinigen, aber auch erfreulichen Weg zum eigenen Wald- oder Naturkindergarten sehr viel Glück und ein gutes Gelingen.
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